Verabschiedung von Kaplan Hardy Hawinkels

Die Verabschiedungsmesse für den scheidenden Kaplan Hawinkels begann um 19:00 und wurde von der Flötengruppe mit ihrem Kinderchor mitgestaltet. Herr Mehren vom Kirchenvorstand würdigte noch einmal die Verdienste von Hardy, vor allen Dingen hob er die hervorragende Jugendseelsorge hervor, und überreichte symbolisch ein Paar Socken, weil er sich ja sprichwörtlich „auf die Socken machen will”. Mit Iautem Hupen und Gas geben ihrer Biker-Maschinen verabschiedeten sich nach der Messe die Motorradfans. Anschließend erfreuten die örtlichen Vereine wie Kirchenchor, Musik- und Gesangverein mit ihren Vorträgen den scheidenden Kaplan, nachdem die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Irmgard Mehren das Wort ergriffen und ein Geschenk überreicht hatte. Der MGV wußte mit seinen Liedvorträgen zu gefallen. Es gelangten zur Aufführung:
1. Schifferlied
2. Rennsteiglied und
3 Dank am Abend.
Bürgervereinsvorsitzender Matthias Vogelsberg überreichte ein Geldgeschenk, an dem sich alle Vereine beteiligt hatten. Kaplan Hawinkels verläßt die Stadt Mechernich und wird zum 1. November Jugendseelsorger für die Region Eifel. Schwerpunkt ist der Altkreis Schleiden und Monschau. Sein Domizil wird er in Dottel aufschlagen, so daß er in unserer Nähe bleibt und sicherlich ab und zu seine alte Wirkungstätte aufsuchen wird.

Freitag, dem 20.09.2000 schrieb der Kölner Stadtanzeiger über Hardys Zukunftspläne:

Jugendseelsorger „Freude am Glauben und Unmut über die Amtskirche“

Kaplan Hardy Hawinkels‘. verlässt die Stadt Mechernich

Von Manfred Lang – Mechernich/Eifel = ..Meine Gottesdienste sind allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor katholisch“, betont Kaplan Hardy Hawinkels (37) und wiegelt damit unbotmäßige Vorwürfe seiner Kritiker ab: „Da ist nichts von Zauber, Häresie und auch kein bloßer Aktivismus.“ Gleichwohl eilt dem Mechemicher Pastor und künftigem Jugend-Seelsorger der Region Eifel der Ruf einer unorthodoxen Gottesdienstgestaltung voraus: egal ob es sich um Messen für Motorradfahrer oder Haustierhalter handelt. Seine Jugendgottesdienste stehen in exzellentem Ruf jedenfalls bei den Jugendlichen selbst, die er jeweils aktiv mit in die Vorbereitung dieser Messen einbezieht. Und, so Hawinkels jetzt in einem Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ anlässlich seiner Berufung zum Jugendseelsorger für die Region Eifel: „Gottesdienste sind nur die eine Seite. Ich habe ein ganzheitliches Welt-. Gottes- und Menschenbild. Ich bin nicht gespalten in Welt und Heil.” Religion als echte Lebenshilfe ist seine Philosophie, und die .lebt“ er auch außerhalb der Kirchenmauern: „Ich pflege auch Beziehungen zu jungen Leuten, die ausdrücklich mit der Kirche nichts am Hut haben – und auch gar nicht haben wollen.“ Viele von denen, so Hawinkels, „kommen von sich aus auf mich zu. wenn sie Rat und Hilfe brauchen“. Ein so enges Verhältnis, wie er es heute zu den Jugendlichen am Bleiberg unterhält, brauche allerdings Zeit, genau gesagt einige Jahre, um sich zu entwickeln, und „aktives Bemühen um echte Beziehungen“, Das aber, so Hawinkels, sei im Kreis seiner Mitbrüder ganz sicher nicht jedermanns Sache: „Viele Kollegen sorgen sich nur noch darum, wie sie die Kirchen einigermaßen voll halten können.“ Der Geistliche, der bei der Post gelernt hat, dann Funktionär in Jugendverbänden war. schließlich Gemeindereferent und noch später Priester wurde, hat frühzeitig und in aller Öffentlichkeit definiert, dass er nicht bereit ist. als Lückenbüßer eines der vielen Personallöcher zu stopfen. die sich angesichts von immer weniger Priestern im Bistum auftun. Als Mechernichs Pfarrer Bernhard Frohn im Mai 1998 in den Ruhestand beziehungsweise in eine geruhsamere Stellung als Klinikseelsorger in Marmagen wechselte, hatte sein potentieller Nachfolger Hardy Hawinkels kategorisch erklärt: „Ich will nicht Pfarrer werden.“
Sackgasse
Es sei eine „Sackgasse“, so hatte der Kaplan dem Bischof und kurz darauf auch der Öffentlichkeit in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger” erklärt, „immer weniger Priestern immer mehr Gemeinden aufs Auge zu drücken“. Er wolle sich um Spiritualität und Seelsorge kümmern, nicht um Immobilien. Verwaltung und Vermögenswerte. Notfalls wolle er dafür als „.Arbeiterpriester” einen normalen Job ausüben und gleichzeitig Seelsorger einer, aber wirklich im Wortsinn nur einer Gemeinde sein. Die Personalabteilung im Aachener Generalvikariat hat es nicht so weit kommen lassen. Der Bischof hat für Hawinkels vielmehr eine Stelle ausgesucht, die ihm nahezu auf den Leib geschneidert ist: Der 37-Jährige wird zum 1. November neuer Jugendseelsorger für die Region Eifel. Hnwinkels freut sich, denn Jugendarbeit ist das Feld, auf das er sich versteht: ‚‚Schließlich bin ich selbst aus der christlichen Jugendarbeit gekommen.“ Er weiß um die Wichtigkeit, jungen Menschen ein glaubwürdiges und offenes Bild vom Christentum zu vermitteln. Seine Vorbilder als Jugendlicher waren engagierte und glaubwürdige Menschen, Sie legten eher unbemerkt den Grundstock für Hawinkels‘ Werdegang „im ständigen Widerstreit zwischen Freude am Glauben und Unmut über die Amtskirche“. Der künftige Jugendseelsorger für die Region Eifel meint, viele Jugendliche störten an der Kirche nicht nur „Liturgie, Musik und der Pastor“, sondern vor allem „die spießige, verklemmte Atmosphäre in den Gemeinden“, Glaubwürdige Spiritualität, so Hardy Hawinkels, sei „immer mit dem Leben verwachsen und vernetzt und beschränkt sich nicht auf eine dreiviertelstunde am Sonntagmorgen“, Der scheidende Mechernicher Kaplan weiß, dass er in seinem alten Tätigkeitsfeld längst nicht alles richtig gemacht hat. Er ist sich auch bewusst. dass er die Kernstadt-Pfarre St. Johannes Baptist in den letzten Jahren zugunsten der Außenpfarren St. Rochus Strempt und St. Margaretha Vussem/ Breitenbenden vernachlässigt hat. Ein Umstand, der sich auch am Gottesdienstbesuch junger Mechernicher ablesen lasse: ..Die gehen nicht mehr in der Anzahl zur Kirche wie früher“. Es sei allerdings auch nicht allein Aufgabe eines Priesters als Einzelkämpfer, um Akzeptanz für Glauben und Kirche zu werben. So werde er auch als Jugendseelsorger vor allem da in den Altkreisen Schleiden und Monschau aktiv werden, wo engagierte Leute schon Jugendarbeit betreiben oder begründen wollen: „Ich steige da ein. wo die Leute mitziehen.“ Insgesamt will Hawinkels der kirchlichen Jugendarbeit „wieder Konturen geben, die sie in den letzten Jahren verloren hatte“. Der Jugendseelsorger: „Ich träume von einer spirituellen Kultur in der Region, die alle Betreuer und Jugendlichen den Glauben als Quelle für das eigene Leben entdecken lässt.“

Außerdem hat er sich mit nachfolgendem Wortlaut im Pfarrbrief vom 1. November 2000 für die schöne Feier bedankt:

Herzlichen Dank! Als ich nach der Verabschiedungsfeier mal ein bisschen zur Ruhe kam, mir alle Grußkarten und Geschenke ansah, und mir der Abend noch mal durch den Kopf ging, bekam ich ein wirklich tiefes Gefühl der Dankbarkeit. Diese Dankbarkeit möchte ich hiermit gerne zum Ausdruck bringen. Herzlichen Dank für den liebevoll gestalteten und gelungenen Abend. Die Gestaltung hatte einen Rahmen, wie es mir entsprach, ich fand es einfach schön. Danke, für die lieben Aufmerksamkeiten vieler einzelner Anwesender und der ganzen Vereine und Gruppen aus Vussem und Breitenbenden. An einem solchen Abend strömt so viel auf einen ein, es gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf, dass man all den Aufmerksamkeiten nicht richtig gerecht werden kann. Aber ich habe Alle und Alles gut wahrgenommen. Danke, für die vielen Grüße, die mich von den Leuten erreicht haben, die an diesem Abend verhindert waren. Danke auch, für die guten Worte und Segenswünsche für meinen weiteren Weg. Ich werde sie brauche können. Gott sei Dank brauchte es keinen Abschied für immer zu geben, ich bin ja nicht aus der Welt und man sieht sich. Also, wünsche ich Euch allen in Vussem und Breitenbenden mit Eurem neuen Pastoralen Team alles Gute und Gottes Segen.

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