Historische Gebäude in Vussem

Der Heimat- und Geschichtsverein hatte es vor geraumer Zeit unternommen, die noch bestehenden Gebäude in Vussem mit Hinweisschildern zu versehen. Das Ergebnis steht in kompakter Form an den entsprechenden Gebäuden, sofern die Eigentümer damit einverstanden waren. Aber es gibt natürlich auch eine Langversion – und die ist wirklich lang!

Keilbergweg 1

Quelle/ Info: Familienbuch, S. 31
Die Familie Peter Josef Honert und Elisabeth Rutt (Heirat am 16.01.1864) wohnten im Haus am heutigen Keilbergweg Nr. 1.

Keilbergweg 3

Quelle/ Info:
Das Anwesen Keilbergweg 3, im Ort bis heute unter dem Hausnamen „Scheffes“ oder Haus Korioth bekannt, gehört zu den ältesten erhaltenen Hofanlagen in Vussem. Obwohl das genaue Baujahr nicht überliefert ist, dürfte das Gebäude ein Alter von über 200 Jahren haben und ist als charakteristisches Fachwerk-Winkelgehöft aus dem 17. Jahrhundert ein bedeutendes Zeugnis regionaler Baugeschichte.
Untrennbar verbunden ist das Anwesen mit der Familie Müller, die als älteste nachweislich im Ort ansässige Familie gilt. Ihre Präsenz lässt sich über mehr als 300 Jahre hinweg in Vussem zurückverfolgen. Mitglieder der Familie nahmen über Generationen hinweg wichtige öffentliche Aufgaben wahr, darunter Ämter als Schöffen, Wald- und Feldschützen sowie in jüngerer Zeit auch als Gemeinderatsmitglieder. Der Hausname „Scheffes“ leitet sich unmittelbar von dieser jahrhundertelangen Schöffentätigkeit ab. Es kann zudem vermutet werden, dass in früherer Zeit – möglicherweise sogar vor 1794 – hier das Herrengeding abgehalten wurde.

Aufnahme von Januar 1984

Die Hofanlage besteht aus einem giebelständigen Wohnhaus in Stockwerkbauweise sowie einer Scheune mit Tordurchfahrt. Besonders prägend ist die vorgekragte und verschieferte Giebelseite des Obergeschosses, ein typisches Gestaltungsmerkmal der Region. Zeitweise betrieben Mitglieder der Familie Müller auch die Vussemer Mehlmühle, bevor sie dauerhaft in der damaligen Mühlengasse (heute Keilbergweg) ansässig wurden.


Im März 1967 brach in den Stallungen des Anwesens ein Brand aus. Dank des raschen Eingreifens der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindert werden. Der Gebäudekomplex blieb dadurch weitgehend erhalten – ein glücklicher Umstand angesichts seiner historischen Bedeutung.
Aufgrund ihrer volkskundlichen und baugeschichtlichen Bedeutung wurde die Hofanlage 1986 in die Denkmalliste der Stadt Mechernich aufgenommen. Nach Einschätzung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege liegt die Erhaltung des gesamten Gebäudekomplexes im öffentlichen Interesse. Die notwendige Instandhaltung und der Erhalt der historischen Fachwerksubstanz konnten daher durch Zuschüsse der Stadt Mechernich und des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert werden.

Keilbergweg 5

Quelle/ Info::
Das Gebäude ist das ehemalige Haus Nießen (alte Schule) und später wohnten dort Olljasse , Dreesen. Die neue Schule (alte Schulte an der Turnhalle) wurde 1928 eingeweiht.
Die Geschichte der Familien Steffens, Vogelsberg und Hermanns ist eng mit dem Anwesen Keilbergweg 5 (ehemals Mühlengasse) in Vussem verbunden.
Den frühesten nachweisbaren Bezug hat die Familie Steffens: Michael Steffens, der am 21. Mai 1742 Katharina Lepertz heiratete, wohnte mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits in der damaligen Mühlengasse, dem heutigen Keilbergweg 5. Ihre Tochter Apolonia Steffens wurde 1749 geboren. Die Ehe Wolles/Steffens blieb kinderlos; das Anwesen ging vermutlich an Apolonia Steffens’ Patin Apolonia Disternich über.
Apolonia Disternich heiratete Johannes Peter Vogelsberg, womit das Anwesen in den Besitz der Familie Vogelsberg gelangte. Bereits zuvor hatte sich Peter Johann Vogelsberg, ein Bruder von Heinrich Vogelsberg, nach Vussem verheiratet. Er ehelichte Apolonia Disternich und lebte mit seiner Familie im heutigen Anwesen Keilbergweg 5. Diese Linie der Familie Vogelsberg starb jedoch bereits in der nachfolgenden Generation in Vussem aus.
Heinrich Vogelsberg, geboren in Walldorf, heiratete 1834 Anna Katharina Ruth und wohnte mit seiner Familie im sogenannten „Breujes Hus“, dem heutigen Anwesen Fritz Gerhards. Aus dieser Linie ging Peter Vogelsberg hervor, der später eine zentrale Rolle im kirchlichen und kommunalen Leben Vussems spielte.
Ein weiterer Vertreter der Familie, Johannes Wilhelm Vogelsberg (geb. 1812), blieb in seiner Ehe mit Maria Anna Rutt kinderlos. Sein deutlich jüngerer Vetter Johannes Josef Vogelsberg (geb. 1846) erbte daraufhin das Anwesen Keilbergweg 5.
Im Jahr 1852 erwarb schließlich die Familie Hermanns das Anwesen. Adolph Hermanns (geb. 1819) heiratete Anna Maria Müller (geb. 1821), und das Haus erhielt – abgeleitet vom Vornamen Adolph – den Hausnamen „an Dollephese“.
Den Abschluss der Vogelsberg-Geschichte bildet der Tod von Peter Vogelsberg im Jahr 1948 im Alter von 67 Jahren. Er war mit Amalia Michels verheiratet und wirkte seit Gründung des Rektorats als Küster und Organist sowie mehrere Jahre als Mitglied des Gemeinderates. Seine Tochter Gertrud Vogelsberg übernahm nach seinem Tod den Kirchendienst. Mit Peter Vogelsberg starb der letzte männliche Namensträger der Vogelsberg-Linie, die auf Heinrich Vogelsberg zurückgeht.

Keilbergweg 8

Quelle/ Info:
Nach einer Verfügung durch den Landrat im Jahre 1858 hatte jede Gemeinde eine Volksschule einzurichten. Der Unterricht begann im Jahre 1860 durch den ersten Lehrer Johann Kirfel

Keilbergweg 9

Quelle/ Info:
Das Anwesen Keilbergweg 9 in Vussem ist eng mit der Orts- und Alltagsgeschichte des Dorfes verbunden. Nach Angaben des heutigen Eigentümers ist das Gebäude vor 1848 gebaut und diente über Jahrzehnte hinweg nicht nur als Wohnhaus, sondern zeitweise auch öffentlichen Funktionen.
Besonders hervorzuheben ist die Rolle des Hauses als Poststelle. Im Jahr 1941 wurde die Vussemer Poststelle aus dem Unterdorf – aus dem damaligen Haus Kuck, das heute nicht mehr existiert – in die Mühlengasse Nr. 9 verlegt, das heutige Anwesen Keilbergweg 9. Damit wurde das Haus zu einem wichtigen Anlaufpunkt für die Bevölkerung, insbesondere in den kriegsbedingten Jahren, in denen Kommunikation und Nachrichten eine besondere Bedeutung hatten.
Bereits 1954 kam es erneut zu einer Veränderung: Mit dem Umzug von Luise Kolvenbach wurde auch die Poststelle wieder verlegt, diesmal zurück ins Unterdorf, an den heutigen Standort Trierer Straße 44. Damit endete die Phase, in der das Haus Keilbergweg 9 eine zentrale öffentliche Funktion erfüllte.
Darüber hinaus ist das Anwesen als Geburtshaus von Michael Josef Gentgen von genealogischer Bedeutung. Er wurde am 4. März 1848 in Vussem geboren. Diese Angabe unterstreicht, dass das Haus bereits im 19. Jahrhundert bewohnt war und zu den älteren erhaltenen Anwesen im Ort zählt. Später war das Gebäude auch das Elternhaus von Elfriede Reddich, womit es erneut Teil der lokalen Familiengeschichte wurde.
Die Geschichte des Hauses lässt sich zudem in den größeren Zusammenhang der Vussemer Schulgeschichte einordnen. In Vussem bestand eine Volksschule über insgesamt 108 Jahre. Grundlage dafür war eine landrätliche Verfügung aus dem Jahr 1858, mit der die Gemeinde verpflichtet wurde, eine Schule einzurichten. Der Unterricht begann 1860 mit dem ersten Lehrer Johann Kirfel.
Der erste Schulraum befand sich im sogenannten Kolvenbachhaus (heute Hein/ Mießeler). Der Schulbetrieb war – mit Ausnahme der 1930er Jahre sowie der Zeit von 1956 bis 1965 – überwiegend einklassig. Nicht selten unterrichtete ein einzelner Lehrer bis zu 60 Kinder gleichzeitig in einem Raum, was die beengten Verhältnisse deutlich macht.
Auch mit dem später errichteten Schulhaus in der Mühlengasse, dem heutigen Keilbergweg 8, konnten die räumlichen Bedingungen nur geringfügig verbessert werden. Immer wieder klagten die Lehrer über zu kleine Klassenräume und unzureichende sanitäre Einrichtungen. Erst mit der Fertigstellung des neuen Schulgebäudes im Jahr 1928 verfügte die Gemeinde über zeitgemäße Schulräume und erstmals auch über die vorgeschriebene Lehrerwohnung.
Während ihres Bestehens waren an der Vussemer Volksschule mindestens 34 Lehrer und fünf Lehrerinnen tätig, Lehrervertretungen nicht eingerechnet. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Schule für das Dorfleben über mehrere Generationen hinweg.
Das Anwesen Keilbergweg 9 steht damit exemplarisch für die Verflechtung von privatem Wohnen und öffentlichem Leben in einem Eifeldorf. Als Wohnhaus, Geburtshaus, zeitweilige Poststelle und Teil der gewachsenen Ortsstruktur spiegelt es die Entwicklung Vussems vom 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit wider und nimmt einen festen Platz in der lokalen Erinnerungskultur ein.

Keilbergweg 22
Alte Mühle“

Quelle/ Info:
Die sogenannte Schneidmühle in Mechernich‑Vussem ist ein historisches Gebäudeensemble, das inschriftlich auf das Jahr 1704 datiert und im 18. Jahrhundert entstanden ist. Die Anlage besteht aus mehreren Gebäudeflügeln. Der älteste Teil ist ein zweigeschossiges, giebelständiges Fachwerkhaus des einraumtiefen Dreiraumtyps. Während das Erdgeschoss in Geschossbauweise errichtet wurde, zeigt die straßenseitige Giebelwand eine Stockwerksbauweise. Das Gebäude besitzt ein pfannengedecktes Satteldach mit einem verkleideten Giebeldreieck.
Die Fachwerkkonstruktion ist typisch für die Zeit: Im Erdgeschoss wurden durchgezapfte Bundbalken verwendet, im Obergeschoss eingehälste Bundbalken. Geschosshohe Schrägstreben stabilisieren das Gefüge, und die Gefache sind glatt verputzt. Besonders auffällig ist die straßenseitige Giebelwand, deren Obergeschoss auf einer profilierten Schwelle vorkragt. Der Zugang erfolgt über eine jüngere Eingangstür an der linken Traufseite. Diese Tür besitzt eine hölzerne Einfassung und trägt im Türsturz eine historische Inschrift, die den Müller von Vussem und seine Frau Elisabeth als Bauherren des Jahres 1704 nennt.
An der rückwärtigen Giebelseite schließen sich weitere ein- bis zweigeschossige Fachwerkgebäude mit gleicher Firstausrichtung an. Auch sie sind mit Satteldächern versehen und gehören – im Gegensatz zu den übrigen Wirtschaftsgebäuden auf dem Grundstück – zum geschützten Denkmalbestand.
Obwohl die eigentliche Mühlentechnik, einschließlich des Mühlrades, heute nicht mehr vorhanden ist, vermittelt die Schneidmühle als Gesamtanlage noch immer sehr anschaulich die typische Erscheinung eines historischen Schneidmühlenbetriebs der Region. Gerade diese Authentizität macht ihren Erhalt sowohl aus wirtschafts‑ und ortsgeschichtlicher als auch aus architekturgeschichtlicher Sicht besonders bedeutsam. Die Anlage ist ein wichtiges Zeugnis menschlicher Arbeit und regionaler Entwicklung und gilt daher als wissenschaftlich wertvoll und unbedingt erhaltenswert.

Seit dem 18. April 1998 ist das Gebäude als Bau‑Denkmal unter Nr. 437 in die Denkmalliste der Stadt Mechernich eingetragen worden ist.
(lagemäßige Bezeichnung: Grundstück Gemarkung Vussem‑Bergheim, Flur 5, Flurstück 405)
Von der alten Hofanlage sind noch das Wohnhaus, ein Mittelgebäude und die alte Mühle erhalten. Die Stallungen fielen einem Brand zum Opfer und wurden durch neue Gebäude ersetzt.
Seit Juni 2000 ist die Hofanlage im Besitz der Familie Koller, und wurde nach und nach vollständig renoviert und zu Wohnraum bzw. Ferienwohnungen umgebaut.
Als Wassermühle war schon vor dem Erwerb nicht mehr zu erkennen, denn auch das Wasserrad war nicht mehr vorhanden. Mit dem Anschluss an die öffentliche Wasserleitung mussten damals die Wasserrechte abgegeben werden, und der Veybach wurde in sein heutiges Bett verlegt.
Eine kleine Rinne mit Wasser führt noch an den alten Gebäuden vorbei, und je nach Regen oder Schneeschmelze läuft bzw. rauscht entsprechend viel Wasser. So erhält man noch eine kleine Vorstellung, wie es einmal war.

Friedhofsweg Nr. 3
„Kaserne“ am Friedhofsweg

Quelle/ Info:
Am Friedhofsweg Nr. 3 in Vussem steht ein Gebäude, das vielen Einwohnern bis heute unter einem ungewöhnlichen Namen bekannt ist: die „Kaserne“. Wer an militärische Nutzung denkt, liegt jedoch falsch – denn mit Soldaten oder Garnison hatte dieses Anwesen nie etwas zu tun. Seinen Spitznamen erhielt es vielmehr durch die besondere Nutzung im frühen 20. Jahrhundert und die damit verbundene lebhafte Bewohnerfluktuation.
Erbaut wurde das markante U-förmige Gebäude von den Eheleuten Johannes Diesternich und Barbara Diesternich, geb. Golbach, die 1878 heirateten.
Zunächst entstanden das Wohnhaus und der rechte Stalltrakt (von der Straße aus betrachtet). Anschließend folgte der Querbau, der das Ensemble zu einem U schloss. Das Mauerwerk besteht zum großen Teil aus Bruchstein, durchsetzt mit Ziegelmauerwerk und ausgemauertem Fachwerk, typisch für die Region Eifel in dieser Zeit. Der straßenseitige Giebel zeigte lange die Spuren einer später vorgenommenen Aufstockung, bevor das Haus seinen heutigen einheitlichen First erhielt.
Die Diesternichs betrieben hier eine kleine Landwirtschaft, ein kleines Geschäft, vermutlich mit Waren für den täglichen Bedarf, und einen Göpel, der von einem Ochsen im Kreis angetrieben wurde. Der Göpel diente vermutlich zum Antreiben eines Mahlwerks oder einer Hebevorrichtung – ein Hinweis darauf, dass die Familie sich ein zusätzliches Einkommen sicherte.
1892 gründete Johannes Diesternich mit Gleichgesinnten den Vussemer Männergesangverein – ein kultureller Meilenstein im Ort und 1920 stifteten die kinderlosen Eheleute ein Teilstück des heutigen Friedhofs. In den schwierigen Zeiten der 20’er Jahre (1924) verkauften die Diesternichs Kurz vor der Inflation das Anwesen an die Fabrikantin Frau Girards.
Die Gründe sind nicht überliefert – liegen vermutlich aber in der Arbeitsbelastung im Alter und der Hoffnung sich mit dem Erlös einen einen ruhigeren Lebensabend zu sichern. Tragisch: Wenige Tage später war ihr Geld nahezu wertlos. Die beiden zogen in eine Wohnung des Hammerwerks bei der Schneidmühle um.
Johannes verstarb 1927, Barbara (geb. Golbach) 1935.
Nach dem Erwerb ließ Frau Girards das Gebäude umbauen. Es entstanden mehrere kleine Wohneinheiten für die Bediensteten der Firma Girards. Damit begann eine Phase hoher Bewohnerwechsel: Familien kamen, Familien gingen, Zimmer wurden neu belegt, im Hof herrschte ständiges Leben und Bewegung.
Dieser stetige Ein- und Auszug führte bald zu einem geflügelten Wort im Dorf:
„Hier geht es zu wie in einer Kaserne!“ Damit war der Name geboren – und blieb bis heute.
Viele Familien fanden für kürzere oder längere Zeit ein Zuhause in der „Kaserne“. Genannt seien u.a.: Schildgen, Luxen, Reinartz, Hein, Dreesen, Zalfen, Zumbe, Braun und Nießen.
Anfang der 1960er Jahre ging das Anwesen in den Besitz der Gemeinde Vussem/Bergheim über. Es wurde auch weiterhin vermietet, diente mehreren Familien als Übergangs- oder Dauerwohnraum. Im Januar 1969 brannte ein Teil des Hauses ab und einige Bereiche wurden unbewohnbar. Ob es sich um einen Kaminbrand oder einen technischen Defekt handelte, ist nicht überliefert.
Als das große Gebäude in den frühen 1970er Jahren leer stand, entdeckte die Vussemer Jugend es für sich: Der ehemalige Wohntrakt wurde vorübergehend als Musiktreff genutzt. Zeitzeugen berichten noch heute von improvisierten Proben, Gesprächen und ersten „Bandprojekten“ der Dorfjugend. Auch als Rückzugsraum für erste Liebschaften war das verwinkelte Gebäude bestens geeignet – so zumindest die Legenden!
Nach dieser Phase folgten mehrere Besitzer wie Herr Sagante, der Teile des Hauses für sich ausbaute. Nach seinem Tod übernahm die Familie Rodrigues, die weitere Verbesserungen am Wohnstandard vornahm.
Im Jahr 1995 erwarben Brigitte und Wolfgang Schulz aus Köln das historische Anwesen. In den folgenden Jahren führten sie umfangreiche Kernsanierungen durch, die das Erscheinungsbild der ehemaligen „Kaserne“ nachhaltig prägten. Mit großem Engagement gelang es ihnen, ein harmonisches Gebäudeensemble zu schaffen, das seinen historischen Charakter bewahrt und zugleich den Anforderungen modernen Wohnens gerecht wird.
Im Zusammenhang mit der Geschichte des Männergesangvereins Vussem (MGV) schließt sich an diesem Ort ein besonderer Kreis: Bereits Johannes Disternich, einer der Begründer des MGV, war hier eng mit dem Gebäude verbunden. Mit Wolfgang Schulz der seit vielen Jahre als 1. Schriftführer tätig ist, Schließt sich der Kreis zum Männergesangverein Vussem. Zudem wird hier aktuell die historische Vereinsfahne aus dem Jahr 1892 aufbewahrt – ein bedeutendes Zeugnis der Vereinsgeschichte.
Auch die jüngere Vergangenheit des Hauses birgt bemerkenswerte Spuren:

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde beim Auskernen des sogenannten Südflügels ein Wandplakat des damaligen Jazz-Clubs, der hier zeitweise als Jugendtreff genutzt wurde, entdeckt. Da das Plakat direkt auf die Tapete gemalt war, ließ es sich nicht unbeschädigt ablösen. Aus diesem Grund wurde es fotografisch dokumentiert. Ein Abdruck dieses Fotos liegt vor; das Original-Negativ befindet sich im Privatarchiv und kann bei Interesse zur Verfügung gestellt werden.

„Margarethenkapelle“

Quelle/ Info:
Die St.-Margarethen-Kapelle in Vussem ist das letzte an historischer Stelle erhaltene Beispiel des ehemals für die Region typischen Fachwerkkapellenbaus. Errichtet wurde sie 1804, Anfang des 19. Jahrhunderts, maßgeblich durch den Hüttenbesitzer Henseler mit Unterstützung der Vussemer Bevölkerung. Bereits der Bau und der frühe Unterhalt der Kapelle zeugen von starkem bürgerschaftlichem Engagement: Die Mahlmüller und Matthias Schmitz von der Alten Mühle in Vussem spendeten 50 Taler, Johann Wilhelm Vogelsberg weitere 10 Taler.
Aufgrund der politischen Lage während der französischen Besatzung des linksrheinischen Gebietes konnte die Weihe der Kapelle erst 1852 erfolgen. Trotz ihrer bescheidenen Größe entwickelte sich die Kapelle rasch zu einem wichtigen religiösen Mittelpunkt des Dorfes.
Am 27. März 1881 gründete sich ein Bürgerverein, dessen vorrangiges Ziel es war, Kapital für den Bau einer größeren Kapelle anzusammeln. Aus diesem Zusammenschluss ging später der St.-Margarethen-Kapellenbauverein hervor. Ein Blick in das Rechnungsbuch von 1890 zeigt die Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens: Einnahmen von 167,27 Mark standen Ausgaben von 31,70 Mark gegenüber, sodass zum Jahresende ein beachtlicher Kassenbestand von 1.022,08 Mark verzeichnet werden konnte.
Zur weiteren Förderung des Kapellenbaus – und nicht zuletzt auch, um die damals als „verlottert“ bezeichnete Jugend sinnvoll zu beschäftigen – wurde 1892 ein Männergesangverein gegründet. Musik, Gemeinschaft und kirchliches Engagement gingen damit Hand in Hand.

Ein bedeutender religiöser Höhepunkt war die Errichtung eines Kreuzwegs im Jahr 1900. Die kanonische Einsetzung wurde schriftlich von Wilhelm Hellings, Pfarrer zu Holzheim, festgehalten. In seiner Niederschrift bezeugt er, dass der Kreuzweg kraft einer ihm vom Kölner Erzbischof Dr. Hubertus Simar verliehenen Vollmacht und nach den Vorschriften der Ablasskongregation vom 10. Mai 1742 ordnungsgemäß errichtet worden sei.
Während des Ersten Weltkriegs fanden ab 1914 regelmäßig Kriegsandachten in der Kapelle statt, die der Bevölkerung Trost und Halt boten. Die zunehmende bauliche Gefährdung führte dazu, dass die Margarethenkapelle 1932 unter Denkmalschutz gestellt wurde.
In den letzten Monaten des Jahres 1936 erhielt die inzwischen stark verfallene Kapelle eine gründliche Innen- und Außeninstandsetzung. Dabei wurden Dach, Lehmgewölbe und Altar erneuert, und die ursprünglichen Lehmwände des Fachwerks durch Schwemmsteine ersetzt. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgte im selben Jahr die feierliche Weihe durch Dechant Schriever aus Eicks.
Weitere Instandsetzungen folgten 1960, eine erneute umfassende Renovierung wurde 1982 mit der Einsegnung durch Pastor Sobieszczyk abgeschlossen. 1984 feierte die Dorfgemeinschaft mit einem Kapellenfest das 180-jährige Bestehen, und 2004 konnte schließlich der 200. Geburtstag der St.-Margarethen-Kapelle begangen werden.
Bis heute steht die Margarethenkapelle nicht nur als architektonisches Zeugnis regionaler Baukultur, sondern auch als lebendiges Symbol für den Zusammenhalt, den Glauben und das jahrhundertelange Engagement der Vussemer Bevölkerung.

Harter Weg 3

Quelle/ Info:
Das Haus Peter Schneider müsste etwa 1860 oder früher gebaut worden sein. Im Familienbuch auf Seite 3 wohnten dort die Eheleute Bertram/ Latz im Haus oberhalb der Kapelle. Das Haus hatte den Spitznamen an „Lisbedde“. Der Hausname ist vermutlich im Zusammenhang mit dem Vornamen Elisabeth (Elisabeth Latz) zu sehen. Matthias Bertram und Elisabeth Latz haben 1819 geheiratet.

Harter Weg 4

Quelle/ Info:
Das „Haus Zingsheim“ wurde vom Sohn von Adolph Hermanns und Anna Maria Müller Johannes Gerhard (geboren 10.02.1866) bewohnt.

Harter Weg 8

Quelle/ Info:
Das Gebäude wird „Haus Esser“ genannt. Im Familienbuch, S. 91 wird dazu berichtet, dass Wilhelm Wielspütz, geb. 14.02.1844, dort mit seiner Familie (Anna Maria Evertz, geb. 21.12.1850, Heirat am 05.01.1872) wohnte. Im Anschluss (Familienbuch, S. 42) zog Peter Klinkhammer (geb. 29.06.1871) mit Anna Maria Wielspütz ein. Fortan hießen die Klinkhammers vom Harter Weg „die Haddewäs“.

Harter Weg 10

Quelle/ Info:
Hinter dem „Haus Esser“ wohnte laut Familienbuch, S. 49 die Familie Latz (Josef Latz und Christina Kauert) direkt neben Wilhelm Wielspütz.

Höhenweg 1

Quelle/ Info:
„Kaltwasserhaus“: Das Haus „Haus Post“ wurde zwischen 1800 und 1850 gebaut. 1867 haben die Gebrüder Kaltwasser (Michael) im Höhenweg 1 gewohnt.

Holzheimer Weg 2

Quelle/ Info:
Die Alte Schule wurde 1925 erbaut und 1928 eingeweiht 1928. 1960 wurde der Gebäudekomplex um eine Turnhalle und ein Lehrschwimmbecken erweitert.

Trierer Straße 1

Quelle/ Info:
Auch für das Haus „a Jöseppe“ findet sich im Familienbuch auf den Seiten 79 und 80 ein klarer Hinweis. Jakob Schnichels wohnte dort mit seiner Familie in der Trierer Straße 1. Er hatte am 19. September 1858 Anna Maria Klein geheiratet. Später übernahm sein Sohn Hermann Josef Schnichels (geboren am 27. Dezember 1861) das Haus zusammen mit seiner Familie. Hermann Josef hatte Maria Katharina Krupp geheiratet. Zu dieser Zeit – und vermutlich schon früher – trug das Anwesen den Hausnamen „a Jöseppe“, der sich vom Vornamen Josef ableitet.

Trierer Straße 4

Haus ehem. Eltern Höller jetzt Zingsheim

Trierer Straße 5

Quelle/ Info:
Das kleine Fachwerkhaus in der Trierer Straße Nr. 5 in Vussem wird im Familienbuch auf Seite 25 dokumentiert. Es handelt sich um das Haus von Mathias Vogelsberg. Der 1859 geborene Matthias Graven – der letzte in Vussem geborene Träger dieses Namens – war von Beruf Schuster und wohnte in diesem kleinen Fachwerkhaus. Später lebten dort die Nachfahren von Johannes Gerhard Hermanns und Anna Gertrud Koch, wahrscheinlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So blieb das bescheidene Anwesen über Generationen hinweg ein Zuhause für verschiedene Familienzweige der Ortsgeschichte.

Trierer Straße 6

Quelle/ Info:
Das Haus „Nüremberg“ (heute Trierer Straße Nr. 6 in Vussem) wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Wohnhaus erbaut. Im Familienbuch auf Seite 64 wird ein Michael Nießen aus Vussem erwähnt, der in den Herrengedingprotokollbüchern der Jahre 1727 und 1728 im Zusammenhang mit dem Verkauf von Brandwein und dem Zapf (Ausschank) genannt wird. Dies könnte die Erklärung für den alten Hausnamen „a Bröes“ sein – abgeleitet von „Brauen“ oder brauereilichen Tätigkeiten.

Es gehört zu den wenigen noch gut erhaltenen Beispielen der ursprünglichen Dorfbebauung. Es handelt sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Fachwerkhaus des einraumtiefen Dreiraumtyps, das in Geschossbauweise errichtet wurde. Das Gebäude steht auf einem niedrigen, leicht vorspringenden und glatt verputzten Sockel und wird von einem pfannengedeckten Satteldach abgeschlossen.
Die straßenseitige Giebelwand wurde im Erdgeschoss massiv erneuert. Darüber kragt das Obergeschoss auf einer profilierten Schwelle vor, die mit einem Schuppenmuster verziert ist. Das Obergeschoss zeigt Schaufachwerk, während das Giebeldreieck mit Kunstschiefer verkleidet wurde. Die Fensteröffnungen wurden im Laufe der Zeit vergrößert. Links schließt sich ein Bereich an, der ursprünglich vermutlich eine überbaute Tordurchfahrt war. Heute befindet sich dort ein Schleppdachanbau mit Fachwerkkonstruktion, der teilweise Formen des 20. Jahrhunderts aufgreift.

Die Traufseiten zeigen durchgezapfte Bundbalken, teilweise mit Zapfenschlössern im Erdgeschoss, sowie eingehälste Bundbalken im Obergeschoss. Geschosshohe Schrägstreben und breite, liegende, glatt verputzte Gefache prägen das Erscheinungsbild. Im hinteren Bereich des Erdgeschosses sind einige massive Erneuerungen erkennbar. Der Zugang erfolgt an der linken Traufseite an der ursprünglichen Stelle. Viele Fenster- und Türöffnungen wurden vergrößert und mit modernen Holzfenstern sowie einer neuen Eingangstür versehen. Die ursprünglichen Öffnungen sind jedoch teilweise noch im Fachwerk ablesbar.
An der rückwärtigen Giebelseite schließt sich ein ehemaliger Wirtschaftsteil an, der im rechten Winkel weitergeführt wird. Dieser Bereich wurde inzwischen zu Wohnzwecken umgebaut, gehört aber weiterhin zum Denkmalbestand. Das ehemalige Scheunentor ist heute zugesetzt.
Das Gebäude ist eines der letzten gut erhaltenen Beispiele der historischen Dorfbebauung in Vussem und zeigt noch deutlich die Struktur eines regionaltypischen Fachwerkwinkelhofes. Es besitzt eine besondere Bedeutung für die Geschichte des menschlichen Lebens sowie für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Aus wissenschaftlichen, architektur‑, ortsgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen ist es unbedingt erhaltenswert.
Wie auf Seite 88 des Familienbuchs dokumentiert, wohnte Matthias (sen.) Vogelsberg (geboren am 15. Dezember 1836) mit seiner Familie in diesem alten Fachwerkhaus. Er hatte Ursula Bauer geheiratet. So verbindet das bescheidene Gebäude über die Jahrhunderte hinweg möglicherweise eine frühe brauereiähnliche Nutzung mit späteren Bewohnerfamilien der Ortsgeschichte.

Trierer Straße 8/ 10

Quelle/ Info:
Das Kolvenbachhaus (Trierer Straße 8/10) in Vussem – eines der markantesten und größten Fachwerkhäuser des Ortes – hat eine bemerkenswerte Umzugsgeschichte und verkörpert die Mobilität alter Bausubstanz in der Eifel. Ursprünglich stand das große Fachwerkhaus in Neuhütte (dem historischen Industrieort mit Eisenhütte, Mühlen und Gerberei nahe dem alten Kernort Vussem) und gehörte zur dortigen Gerberei. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Prämienstraße (einer wichtigen Verkehrsachse) wurde es 1841 zum Abbruch verkauft. Eine zeitgenössische Zeitungsanzeige vom 20. Januar 1841 (unterzeichnet von Th. O. Fingerhut in Neuhütte bei Vussem) lautete: „Das hierselbst auf der Gerberei gelegene Wohnhaus steht pro 1. Mai dieses Jahres auf den Abbruch zu verkaufen. Dasselbe ist noch in jeder baulichen Hinsicht in ganz gutem Zustande, und wird sich demnach hier Bau Unternehmenden eine Gelegenheit darbieten, recht bald und ohne viele Kosten ein gutes bequemes Wohnhaus zu erlangen. Den hierauf Reflektierenden steht dasselbe von heute an zur Einsicht frei und sind die näheren Bedingungen bei dem Unterzeichneten zu erfahren. Schriftliche Anfragen werden aber portofrei erbeten.“ Die Vussemer Familie Kolvenbach erwarb das Gebäude, ließ es abtragen und an seiner heutigen Stelle im Dorf wieder aufbauen – eine damals durchaus übliche, kostensparende Praxis bei soliden Fachwerkkonstruktionen. Im Familienbuch (Seiten 44–45) wird das Haus ausführlich beschrieben. Hubert Kolvenbach (geboren am 10. Juli 1802) wohnte dort mit seiner Familie. Er heiratete am 15. Dezember 1842 Anna Maria Schneider. Das Anwesen erhielt den Namen „Kolvenbachhaus“ nach dieser Familie und galt als eines der prägnantesten Gebäude Vussems. Heute werden die Häuser Trierer Straße 8 und 10 mit den Familien Mießeler und Peter Hein in Verbindung gebracht, was den kontinuierlichen Bewohnerwechsel über Generationen hinweg zeigt. Das Kolvenbachhaus steht exemplarisch für die Geschichte vieler alter Fachwerkhäuser in Vussem und der Eifel: Gebäude wurden nicht selten versetzt, umgebaut oder umgenutzt, trugen über lange Zeit Familiennamen und blieben zentrale Elemente des dörflichen Ortsbildes und der lokalen Identität.

Trierer Straße 9

Quelle/ Info:
Das Haus an der heutigen Trierer Straße Nr. 9 in Vussem wird im Familienbuch auf Seite 42 erwähnt. Johannes Klinkhammer (geboren am 20. Februar 1830) heiratete in zweiter Ehe am 29. Mai 1870 Anna Maria Holzem – eine Schwester seiner ersten Frau. Soweit ersichtlich, wohnte er mit seiner Familie in diesem Anwesen. Die Tochter Katharina Klinkhammer (geboren am 6. März 1886) blieb im Elternhaus wohnen. Sie heiratete später Hubert Schmidt. So blieb das Haus über Generationen hinweg eng mit der Familie Klinkhammer verbunden und dokumentiert einen typischen Aspekt der lokalen Familiengeschichte in Vussem, in der enge Verwandtschaftsverhältnisse und das Verbleiben im Elternhaus über Jahrzehnte hinweg häufig vorkamen.

Trierer Straße 11/ 12

Quelle/ Info:
Das Haus „a Flosse“ (heute Trierer Straße Nr. 11/ 12 in Vussem) wird im Familienbuch auf Seite 91 dokumentiert. Johannes Josef Wielspütz (geboren am 16. Juni 1841) heiratete Anna Gertrud Daniels und zog mit seiner Familie in den Bereich der sogenannten „Katzejass“. Dort trug das Anwesen den Hausnamen „a Flosse“. Der Umzug in dieses Gebäude markiert somit den Beginn der Verbindung der Familie Wielspütz mit diesem alten Hausnamen, der – wie bei vielen Vussemer Anwesen – vermutlich auf eine besondere Eigenschaft, einen früheren Bewohner oder eine örtliche Begebenheit zurückgeht und über Generationen hinweg erhalten blieb. So reiht sich „a Flosse“ in die lange Reihe der traditionellen Hausnamen ein, die die Ortsgeschichte von Vussem bis heute prägen.

Trierer Straße 16

Quelle/ Info:
Das Haus an der heutigen Trierer Straße Nr. 16 in Vussem wird im Familienbuch auf den Seiten 74 und 75 dokumentiert. Dort wohnte die Familie Schmidt: Johannes Josef Schmidt (geboren am 15. April 1840) und Anna Maria Voethen (geboren am 26. Juli 1844). Das Paar heiratete am 3. Februar 1869 und lebte anschließend in diesem Anwesen. Das Gebäude reiht sich damit in die lange Liste der alten Häuser ein, die über Generationen hinweg von fest verwurzelten Familien bewohnt wurden und einen wichtigen Teil der lokalen Orts- und Familiengeschichte von Vussem ausmachen.

Trierer Straße 17

Quelle/ Info:
Das Haus gegenüber dem Junggesellenplatz an der Trierer Straße 17 in Vussem wird im Familienbuch auf den Seiten 55 und 56 beschrieben. Soweit ersichtlich, wohnte dort die Familie Lux: Peter Lux (geboren am 13. März 1859) heiratete am 24. Januar 1883 Katharina Golbach (geboren am 7. Oktober 1852). Das Paar lebte in diesem Anwesen an der Trierer Straße 17. Bis heute ist die Familie mit diesem Haus verbunden – die letzte Namensträgerin der Linie Lux wohnt dort noch immer. So steht das Gebäude exemplarisch für eine bemerkenswerte Kontinuität: Über mehr als 140 Jahre hinweg blieb es in derselben Familie, was in der Ortsgeschichte von Vussem eher selten ist und die enge Verwurzelung vieler alter Häuser mit ihren Bewohnern unterstreicht.

Trierer Straße 21

Quelle/ Info:
Das kleine Fachwerkhaus, vermutlich um 1860 erbaut, wird im Familienbuch auf Seite 1 erwähnt. Paul Benoit bewohnte es mit seiner Familie. Bald schon erhielt das Anwesen den Hausnamen „Benewitz“ – eine typische mundartliche Ableitung vom Familiennamen Benoit. So etablierte sich der Name „Benewitz“ schnell als ortsübliche Bezeichnung für dieses bescheidene Gebäude und blieb über Generationen hinweg erhalten.

Trierer Straße Nr. 26a

Quelle/ Info:
Das ehemalige Lebensmittelgeschäft Adolf Hoffmann (später Bäckerei Sistig) in Vussem (Ortsteil von Mechernich, Eifel) war über viele Jahrzehnte ein zentraler Versorgungspunkt für die Dorfbewohner. Das Gebäude entstand um 1900 und wurde von Adolf Hoffmann errichtet, der als Formermeister bei der Neuhütte (einem lokalen Industriebetrieb) tätig war. Adolf Hoffmann gründete dort ein Kolonialwarengeschäft bzw. Lebensmittelgeschäft, das er selbst führte und das bis 1959 als reines Lebensmittelgeschäft bestand – zunächst unter seiner Leitung, später durch seinen Sohn Peter Hoffmann. Im Jahr 1959 übernahm der Bäckermeister Johann Sistig (gebürtig aus Eiserfey) das Geschäft.

Er erweiterte es um eine Bäckerei, sodass Vussem eine eigene Bäckerei erhielt – neben dem bestehenden Konsumgeschäft somit zwei Lebensmittelversorger vor Ort. Die Bäckerei Sistig wurde zu einem wichtigen Treffpunkt im Dorf. 1991 gab Rolf Sistig, der Nachfolger seines Vaters Johann, die Bäckerei aus gesundheitlichen Gründen auf. Damit endete die lange Tradition als Back- und Lebensmittelbetrieb. Nach der endgültigen Geschäftsaufgabe diente das Gebäude neben längerem Leerstand verschiedenen Pächtern als Schnellimbiss, Pizzeria bis hin zum Dönerladen.

Trierer Straße 27

Quelle/ Info:
Der Margarethenhof, im Ort auch als „Klamm“ bekannt, wurde 1871 von Heinrich Schneider errichtet. Bereits 1873 erhielt er die offizielle Erlaubnis, in Vussem eine Gaststätte mit angeschlossenem Kolonialwarengeschäft zu betreiben.

Der Betrieb firmierte unter dem Namen Margaretenhof und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Treffpunkt des Dorfes. Das Kolonialwarengeschäft bestand bis etwa 1900.
Nach Heinrich Schneider führte sein Sohn Franz Schneider den Betrieb weiter und erhielt 1907 die Genehmigung zum selbstständigen Führen der Gastwirtschaft. Ein einschneidendes Ereignis war der Brand des Anwesens im Jahr 1920, nach dem das Gebäude wiederaufgebaut und in seiner bis heute bekannten äußeren Form neu gestaltet wurde.


Bis zu seinem Tod im Jahr 1960 leitete Franz Schneider die Gaststätte. Anschließend wurde sie von seinem Sohn Josef Schneider und dessen Familie weitergeführt, zeitweise auch an Frau Birkenbusch aus Nemmenich verpachtet. 1964 erfolgte der Verkauf an die Familie Wüllenweber aus Höngen bei Aachen, die umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen durchführen ließ. Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Betrieb 1965 erneut unter dem Namen „Margarethenhof“ eröffnet.
Anfang der 1970er-Jahre folgten weitere Pächter: zunächst ein Ehepaar Jansen aus Nettersheim, später die Eheleute Liebetrau aus Rheinbach. 1973 erwarben schließlich Werner und Christa Anklam aus Köln den Margarethenhof und führten die Gaststätte über viele Jahre hinweg. In dieser Zeit blieb sie ein zentraler Ort des gesellschaftlichen Lebens in Vussem: Sie diente als Probenraum des Männergesangvereins und war ein wichtiger Veranstaltungsort für Kirmes, Karneval und das Margaretenfest.

1990 wurde der gastronomische Betrieb eingestellt; der Margarethenhof wurde geschlossen und durch Peter Dederichs jun. veräußert. Seit 1992 wird das traditionsreiche Gebäude unter neuer Nutzung fortgeführt: Als Seminarhaus „Das Haus“ dient es heute als Feldenkrais-Zentrum und markiert damit ein weiteres Kapitel in der langen und wechselvollen Geschichte des Margarethenhofes.

Trierer Straße 47

Quelle/ Info:
Das Gebäude in der Trierer Straße 47 in Vussem stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und stellt einen freistehenden, zweigeschossigen, massiven Putzbau auf einem unregelmäßigen Grundriss dar. Es besitzt ein zur Straße parallel verlaufendes, pfannengedecktes Satteldach. An der linken Seite schließt sich ein niedrigerer, ebenfalls zweigeschossiger Winkelbau an, der mit seiner Giebelseite in einer Flucht mit dem Hauptgebäude steht und unter einer Sattelverdachung mit Krüppelwalm ausgeführt ist.

Der rundbogige Haupteingang befindet sich im vorgezogenen Gebäudeteil auf der rechten Achse. Er ist über eine mehrstufige Treppe erreichbar und wird von einer leicht zurückgesetzten, vermutlich originalen hölzernen Eingangstür abgeschlossen, die in einer scharrierten, abgestuften Blausteinfassung sitzt. Ein weiterer rundbogiger Zugang befindet sich im eingeschossigen Terrassenvorbau an der rechten Giebelseite, der auf einem winkelförmigen Grundriss errichtet wurde.
Die Fensteröffnungen sind unregelmäßig verteilt und als stichbogige Originalfenster ausgeführt. Sie besitzen vorspringende Sohlbänke und Putzeinfassungen, teilweise in Form eines durchgehenden Sohlbankgesimses. Die originalen zweiflügeligen Holzsprossenfenster sind erhalten geblieben. An der linken Giebelseite befindet sich ein rechteckiger Erkeranbau, der mit Schiefer gedeckt ist. Auf der Rückseite schließt sich im Winkel ein eingeschossiger, satteldachgedeckter Anbau an, der jedoch jüngeren Datums ist und nicht zum Denkmal gehört; ebenso wenig die daran anschließende Terrasse.
Das Gebäude veranschaulicht auf bemerkenswerte Weise die architektonischen Stilformen der 1950er Jahre, die im Stadtgebiet Mechernich nur selten so klar und unverfälscht erhalten sind. Darüber hinaus stellt es ein wichtiges Zeugnis für die siedlungsgeschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung der Ortslage Vussem dar. Aufgrund seiner architektonischen Qualität, seiner ortsgeschichtlichen Bedeutung und seines städtebaulichen Wertes ist das Gebäude aus wissenschaftlichen Gründen und als Teil der historischen Entwicklung des Ortes unbedingt erhaltenswert. Heute bewohnt die Familie Breuer das Gebäude.
Die Geschichte des Unternehmens Breuer beginnt im Jahr 1937 mit der Gründung der Firma durch Hubert Breuer und Josef Breuer.

Zunächst wurde das Unternehmen als Gesellschaft bürgerlichen Rechts geführt. Im Jahr 1959 erfolgte die Umwandlung in die „Gebrüder Breuer OHG Güter Nah- und Fernverkehr“, weiterhin mit Hubert und Josef Breuer als Gesellschaftern.

1974 schied Josef Breuer aus der Gesellschaft aus. Das Unternehmen wurde daraufhin in „Gebrüder Breuer Güter‑ Nah‑ und Fernverkehr, Inhaber Hubert Breuer“ umfirmiert. Fünf Jahre später, 1979, trat Hermann‑Josef Breuer als weiterer Gesellschafter in das Unternehmen ein, das nun als „Gebr. Breuer GmbH & Co. KG Güternah‑ und Fernverkehr“ weitergeführt wurde.
1984 verließ auch Hubert Breuer die Gesellschaft. Im Jahr 2018 trat Markus Breuer als Gesellschafter ein und führt seitdem gemeinsam mit Hermann‑Josef Breuer das Unternehmen. Beide vertreten die Gesellschaft bis heute.

Trierer Straße 53

Quelle/ Info:
Die Gaststätte „Zur Schneidmühle“ (heute Trierer Straße Nr. 55, vermutlich im Bereich Vussem oder im Schleidener Tal / Feytal gelegen) blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück.Das Gebäude wurde vor 1840 errichtet – wahrscheinlich von Jakob Bertram oder seinem Sohn Daniel Bertram. Bereits vor 1840 betrieb Jakob Bertram an diesem Ort eine Schankwirtschaft. Nach einer Unterbrechung wurde der Betrieb 1851 durch Daniel Bertram wiedereröffnet.Von 1840 bis 1851 ruhte der Gaststättenbetrieb. Nach dem Tod von Daniel Bertram im Jahr 1895 ging das Anwesen an seinen Sohn Sigmund Bertram über. Zum Erbe gehörten unter anderem die Parzellen:
Flur 30 Nr. 661a/141
Flur 30 Nr. 668/142
(Schneidmühle, Wiese, Hausgarten von 74,16 Ar, Hofraum von 10,15 Ar bzw. 1,41 Ar)
Flur 30 Nr. 143
samt allen darauf befindlichen Gebäuden und Immobilien, darunter das Wohnhaus mit der Gastwirtschaft „Zur Schneidmühle“. Die übrigen Geschwister – Sophie (verh. Schuh, Duisburg), Henrietta (verh. Löhr, Schleiden), Amalia (verh. Axmacher, Schneidmühle) und Carl (Ober-Postassistent in Aachen) – erhielten eine finanzielle Abfindung.

Hammerwerk „Schneidmühle“, Axmacher & Bertram (Inh. Sig. Bertram) gegr. 1712
Das Hammergebäude mit einem unfertigen Anbau kurz vor dem Abriss Mitte der 1950er Jahre

Nach dem Tod von Sigmund Bertram im Jahr 1923 führte seine Witwe Anna Bertram den Betrieb weiter, bis sie 1930 starb. Danach übernahm ihre Nichte Anna Donner die Gaststätte. Mit ihrem Ruhestand im Jahr 1965 endete die direkte Familienführung; in den folgenden Jahren gab es verschiedene Pächter, darunter ein Ehepaar aus Euskirchen, das Ehepaar Dorffeld sowie das Ehepaar Wollenweber. Nach dem Tod von Michael Wollenweber 1973 führten seine Ehefrau und Tochter Marianne den Betrieb zunächst weiter. 1978 übernahm Christian Schrötler die Gaststätte, 1980 folgten Wolfgang und Gertrud Gumeny. Von 2001 an betrieben Klaus und Irmgard Müller das Lokal.2010 wurde das Gebäude von Peter Dederich jun. verkauft. Seit 2011 befindet sich das Anwesen im Besitz der Firma ProSolartec; ein klassischer Gaststättenbetrieb existiert dort seither nicht mehr.Die Schneidmühle steht somit exemplarisch für die Entwicklung vieler alter Eifel-Gaststätten: vom frühen Schankbetrieb und Handwerk über Generationen hinweg in Familienbesitz bis hin zur Umnutzung in der modernen Zeit.
Historische Bilder

Nordstrasse 1

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Das Haus Münch (ehemals Consum) an der Nordstraße 1 in Vussem wurde vermutlich zwischen ca. 1857 und 1880 erbaut. Erbauer war der Schneider Ludwig Kaltwasser, der das Anwesen zusammen mit seiner Frau Katharina Disternich (gebürtig aus der Kaserne) bewohnte. Aufgrund seines Berufs trug das Haus bald den mundartlichen Namen „a Schnegges“ (von Schneider). Ab etwa 1925 übernahm Wilhelm Münch das Gebäude zusammen mit seiner Frau Marianne Münch, geborene Kaltwasser. In den folgenden Jahren wurde das Haus zum Standort des örtlichen Konsum-Geschäfts (Konsumverein), das dort bis etwa 1954 betrieben wurde. Danach blieb der Name „der Konsum“ noch eine Zeit lang im Volksmund haften, obwohl Hans Hubert Schmidt in das Gebäude mit seiner Versicherung umzog. Nach der Konsum-Zeit wohnten in dem Haus nacheinander bzw. gemeinsam: Marianne Münch
Hans Münch und Maria (Rita)
Jakob und Marianne Dreesen, geborene Münch (mit Tochter Bärbel).

Nordstrasse 3

Quelle/ Info:
Das Elternhaus von Harry Gülden an der Nordstraße in Vussem gehört zur Familie Gülden und wurde vermutlich zwischen ca. 1850 und 1880 erbaut. Nach der Erbauung durch die Familie Gülden wohnte dort zunächst der Sohn Michael Gülden zusammen mit seiner Ehefrau. In der folgenden Generation übernahm deren Sohn Peter Gülden das Anwesen. Er lebte dort mit seiner Frau Ilse Gülden und ihren Kindern, darunter Harry Gülden. In den 1960er Jahren diente das Haus zeitweise als Treffpunkt für den „Club 20“

Nordstraße 4

Quelle/ Info:

Nordstraße 5

Quelle/ Info:
Stammhaus Familie Gülden

Holzheimer Weg 2

Die ehemalige Schule am Holzheimer Weg in Vussem stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gehört zu den markantesten öffentlichen Gebäuden des Ortes. Es handelt sich um einen fünfachsigen, zweigeschossigen Putzbau mit einem vorspringenden, glatt verputzten und unterkellerten Sockel. Das Gebäude wird von einem pfannengedeckten Walmdach abgeschlossen, in das straßenseitig ein beschiefertes Dachhäuschen und rückseitig zwei Schleppgauben eingelassen sind. Die Fassade ist symmetrisch gestaltet. Über eine mehrstufige Freitreppe gelangt man zu einem rundbogigen, profiliert gefassten Haupteingang, hinter dem sich eine originale hölzerne Eingangstür befindet. Diese Tür besitzt ein aufwendig sprossengegliedertes Oberlicht, in das eine kleine Laterne integriert ist. An den Schmalseiten und auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich – entsprechend der inneren Raumaufteilung – unregelmäßig verteilte Fenster. Besonders die Klassenräume verfügen über sehr große, hochrechteckige Fensteröffnungen, die in Haustein gefasst sind und vorspringende Sohlbänke besitzen. Die Kellerfensteröffnungen sind mit bossierten Einfassungen versehen. Bemerkenswert ist, dass die Fensteröffnungen noch original erhalten sind. Sie besitzen die ursprünglichen zweiflügeligen Holzsprossenfenster mit geteilten Oberlichtern, und in den Klassenräumen sind zusätzlich die historischen Innenfenster erhalten geblieben. An der rechten Schmalseite befindet sich ein weiterer rechteckiger Eingang, an den jüngere Anbauten wie Pausenhalle und Turnhalle anschließen, die jedoch nicht zum Denkmal gehören. Zum Denkmalbestand zählen hingegen das giebelständige, freistehende Toilettenhäuschen zum Schulhof hin sowie ein Teil der historischen Schulhofmauer.
Das Gebäude zeigt in besonders anschaulicher Weise die architektonischen Stilprinzipien seiner Entstehungszeit, die in Mechernich nur selten so eindrucksvoll erhalten sind. Ebenso lässt sich die funktionale Raumaufteilung im Inneren durch die äußere Gestaltung sehr gut ablesen. Aus diesen Gründen besitzt die Schule als Gesamtanlage ein besonderes Gewicht für die Geschichte des Schulbaus und ist aus wissenschaftlichen, architektur‑, orts‑ und schulgeschichtlichen Gründen unbedingt erhaltenswert.

Am 22. Mai 1960 erfolgte die Einweihung einer neuen Turnhalle und eines Lehrschwimmbeckens als Ergänzung zum Schulbetrieb.

Im Rahmen der Baumaßnahmen für die Turnhalle mussten zwei Fachwerkgebäude (vorne links) abgerissen werden.

Die ehemalige Volksschule Vussem, heute oft „Alte Schule Vussem“ genannt, ist nicht nur architektonisch bedeutend, sondern auch ein wichtiges Zeugnis der lokalen Bildungs- und Sozialgeschichte. Der Erbauer ist unbekannt, doch die Bau- und Nutzungsgeschichte lässt sich gut nachvollziehen. Im Jahr 1925 stellte der damalige Gemeindevorsteher Franz Schneider eine Wiese zum Preis von 300 Mark zur Verfügung, um den Neubau einer Schule zu ermöglichen. Bereits im Juni 1925 begannen die Ausschachtungsarbeiten, und Ende Oktober 1926 konnte das Richtfest gefeiert werden. Im März 1927 war die erste der beiden Lehrerwohnungen bezugsfertig, und am 10. Januar 1928 wurde die neue Schule offiziell eingeweiht.

In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude vielfältigen schulischen Zwecken. Ab 1930 richtete die Amtsverwaltung Mechernich in der Vussemer Schule eine freiwillige Mädchenfortbildungsschule ein, die als Haushaltsschule betrieben wurde. Zum 1. April 1939 wurde die bis dahin katholische Bekenntnisschule in die „Deutsche Volksschule“ umgewandelt, eine Entwicklung, die im Zuge der nationalsozialistischen Schulpolitik bereits erwartet worden war. Mit den tiefgreifenden Reformen im Schulwesen endete schließlich die Ära der klassischen Volksschule. Im März 1966 erhielten die letzten Schüler der Volksschule Vussem ihre Entlassungszeugnisse, und 1967 wurden die bisherigen Volksschulen bundesweit aufgelöst. In Vussem hatte diese Schulform insgesamt 108 Jahre bestanden, wenn man eine frühere Vorgängerschule einbezieht.
Nach dem Ende des Schulbetriebs wurde das Gebäude umgenutzt. Heute dienen die Obergeschosse als Wohnraum, während die ehemaligen Klassenzimmer im Erdgeschoss zu Vereinsräumen umgestaltet wurden. Die Alte Schule Vussem ist heute ein lebendiger Treffpunkt für das Dorfleben. Sie wird unter anderem vom Heimat- und Geschichtsverein Vussem, vom Karnevalsverein KV Vussem 1977 e.V. sowie von weiteren lokalen Gruppen genutzt, die dort Sitzungen, Veranstaltungen, Weihnachtsmärkte oder Klassentreffen ehemaliger Schüler durchführen.
Damit steht die Alte Schule Vussem exemplarisch für die Entwicklung des dörflichen Lebens in der Eifel: vom zentralen Bildungsort über Generationen hinweg bis hin zur heutigen Nutzung als Gemeinschaftshaus in einer Zeit, in der es vor Ort keinen eigenen Schulbetrieb mehr gibt. Sie verbindet architektonische Qualität, historische Bedeutung und eine bis heute lebendige soziale Funktion.

Holzheimer Weg 4

Quelle/ Info:
(damals noch Katzengasse) ehem. Haus Berners

Rosenweg 100
„Pfarrkirche St. Margareta“

Die katholische Pfarrkirche St. Margareta in Vussem ist das einzige erhaltene Zeugnis sakralen Bauens aus der Zeit um 1940 im gesamten Stadtgebiet. Ihre architektonische und künstlerische Gestaltung verleiht ihr eine besondere Bedeutung für die Region und begründet den hohen Stellenwert ihrer Erhaltung. Die Kirche wurde in den Jahren 1939 und 1940 nach Plänen des Aachener Architekten Karl Schmitz errichtet; die Bauausführung übernahm die Firma Dederichs aus Breitenbenden.

Nachdem Grundstückserwerb, Finanzierung und Genehmigungen abgeschlossen waren, beschloss der Kirchenvorstand am 31. Januar 1939 den Neubau der damaligen Rektorratskirche. Noch im selben Jahr, am 1. Oktober, wurde der Grundstein gelegt. Am 2. Mai 1940, dem Fest Christi Himmelfahrt, konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Weihe der Kirche erfolgte am 6. April 1941 durch Dechant Schriever, und bereits eine Woche später, am Ostersonntag, fand die erste heilige Messe im neuen Gotteshaus statt. Am 14. Juni 1942 zog die Gemeinde feierlich in die Kirche ein, begleitet von großer Beteiligung der Bevölkerung, des gesamten Dekanatsklerus und der Patres des Missionshauses; an diesem Tag nahm Dechant Schriever die offizielle Benediktion vor.

Trotz der schwierigen Zeit des Zweiten Weltkriegs blieb die Kirche von größeren Zerstörungen verschont. Sie präsentiert sich als langgestreckter, rechteckiger Saalbau aus verputztem, massivem Mauerwerk mit einem steilen, pfannengedeckten Satteldach.

Im Osten schließt sich ein eingezogener Chor auf quadratischem Grundriss an, der durch Quergiebel betont wird. An den Kreuzungspunkten der Dachflächen erhebt sich ein kleiner Dachreiter. Die Langseiten werden durch jeweils vier hohe, befensterte Dachhäuschen gegliedert, während kleinere Pultdachanbauten beidseitig an die Längswände anschließen. Der westliche Eingangsvorbau stammt aus jüngerer Zeit, wohingegen der südlich am Chor anschließende Anbau des Gemeindesaales mit kleinem Glockenturm aus der gleichen Bauzeit wie die Kirche selbst stammt.

Der Innenraum wird von einem offenen Dachstuhl mit eingezogenen Doppelsparren überspannt. Auf der Westseite befinden sich im Obergeschoss zwei spitzbogige Fensteröffnungen, und ein spitzbogiger Triumphbogen verbindet das Langhaus mit dem Chor. Besonders bemerkenswert sind die originalen Bleiglasfenster des Glasmalers Wilhelm de Graaff aus dem Jahr 1940. An der nördlichen Chorwand wurden 1959 zusätzliche hochrechteckige Fenster mit Bleiverglasung eingefügt. Mit Ausnahme der Bestuhlung hat sich die einheitliche Innenausstattung der Erbauungszeit nahezu vollständig erhalten. Dazu gehören der Fußbodenbelag aus Platten, der Beichtstuhl, die hölzerne Orgelempore auf drei Freisäulen, die Deckenlampen und Wandleuchten sowie acht Kerzenleuchter.
Die Kirche steht am Rosenweg im nördlichen Teil von Vussem, direkt am Veybach, und gehört heute zur Pfarrvikarie Vussem‑Breitenbenden innerhalb der Gemeinschaft der Gemeinden St. Barbara Mechernich. Sie verkörpert ein eindrucksvolles Beispiel kirchlicher Architektur in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Unsicherheit und hat sich bis heute als spiritueller und kultureller Mittelpunkt der Ortschaft erhalten. Ihre besondere künstlerische Disposition und ihre Bedeutung für die Architektur‑, Orts‑ und Kirchengeschichte verleihen ihr einen herausragenden Denkmalwert, der ihre Erhaltung für die gesamte Region unverzichtbar macht.

Dörriesstraße Nr. 4

Quelle/ Info:
Gesamtdarstellung der Fabrikantenvilla „Klösterchen“ und des späteren Missions- und Heimbetriebs

Die sogenannte Fabrikantenvilla des Peter Girards, im Ort Vussem bis heute als „Klösterchen“ bekannt, wurde zwischen 1907 und 1909 errichtet. Bauherr war der Fabrikant Peter Girards, der das repräsentative Gebäude zunächst als Wohnhaus für sich und seine Familie nutzte.

Nach seinem Tod im Jahr 1918 wurde das Anwesen verkauft und ging an das Mutterhaus der Missionare vom Heiligen Herzen Jesu in Hiltrup über. Ab 1926 diente die Villa als Noviziat des Ordens. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, erfolgte in den Jahren 1931 und 1932 eine umfangreiche Erweiterung, bei der unter anderem eine Kapelle, ein Speisesaal, eine Küche und zusätzliche Schlafräume entstanden.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude 1941 vom Kreis Schleiden beschlagnahmt und in eine Heilstätte für lungenkranke Männer umgewandelt. Gegen Ende des Krieges diente das Klösterchen zudem als Ausweichkrankenhaus, nachdem das Mechernicher Krankenhaus durch Bombardierungen beschädigt worden war. Nach Kriegsende kehrte das Gebäude wieder in den Besitz des Ordens zurück und wurde erneut als Noviziat genutzt, bis die Missionare und Ordensschwestern 1968 Vussem verließen.
Im Jahr 1971 erwarb die Familie Heinz Sanden aus Gelsenkirchen das Anwesen und richtete dort ein Heim für Menschen mit seelischen Behinderungen ein. 1985 wurde das Gebäude an eine Personengruppe aus Euskirchen weiterverkauft. Nach dem Tod von Heinz Sanden im Jahr 2001 ging das ehemalige Kloster in den Besitz der Familie Helmut Sanden über, die das Anwesen samt Grundstück erwarb.
Der Gebäudekomplex ist einem Wandel und stetiger Erweiterung unterworfen. Der Wohnverbund Sanden unter dem das Gebäude firmiert (und zu dem ein Zweithaus in Breitenbenden gehört) ist fester Bestandteil des Dorfes Vussem.
Die Innenausstattung der Villa ist bis heute geprägt von kunstvollen Stuckarbeiten und hochwertigen Holzvertäfelungen, die den ursprünglichen repräsentativen Charakter des Hauses eindrucksvoll bewahren.
Der ältere Teil des heutigen Gebäudekomplexes, der weiterhin als Behindertenheim genutzt wird, entstand zwischen 1907 und 1912 für die Industriellenfamilie Girards/ Dörries. Es handelt sich um einen zweigeschossigen, massiven und verputzten Villenbau mit einem unregelmäßigen Grundriss, der von einem verschieferten Satteldach mit Krüppelwalm abgeschlossen wird. Der unterkellerte Sockel besitzt noch die originalen Kellerfensteröffnungen mit kunstvoll geschmiedeten Vergitterungen, die überwiegend in Rustikalrahmungen gefasst sind. Einige Fensteröffnungen wurden später verändert und glatt verputzt. Das Erdgeschoss zeigt unterschiedliche Höhen und ist teils glatt verputzt, teils mit Rustikalquaderung versehen, während die gesamte Rückseite glatt verputzt ist.
Die Ecken des Baukörpers sind durch Eckquaderungen hervorgehoben, was besonders am rechteckigen Turm mit seinem Glockendach sichtbar wird. Im Erdgeschoss des Turms und im angrenzenden rechten Gebäudeteil befinden sich sehr aufwendig gestaltete Eingänge. Der rechte Eingang besitzt einen schiefergedeckten, säulengestützten Vorbau mit einem geschwungenen Giebel. Die originalen hölzernen Eingangstüren mit ihren reichen Schnitzereien und schmiedeeisernen Gittern sind bis heute erhalten. Im Erdgeschoss sind die Fensteröffnungen rundbogig, im Obergeschoss dagegen rechteckig; sie sind jeweils in Haustein gefasst und mit vorspringenden Sohlbänken versehen. Die heutigen Fenster bestehen aus Kunststoff. An der Giebelseite befand sich ursprünglich eine offene Veranda, die später geschlossen und um ein Stockwerk erhöht wurde. Daran schließt im Obergeschoss ein dreiseitiger Balkon an. Unter dem leicht ausschwingenden Abschluss des Krüppelwalms befindet sich ein querovales, reich gefasstes Fenster. Im Dachbereich sind verschiedene originale Aufsätze erhalten.
In den späten dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts errichteten westfälische Missionare an der Rückseite der Villa ein drei- bis viergeschossiges, massives und verputztes Missionshaus. Es zeigt zur Parkseite sieben und zur Hofseite sechs Achsen. Im zweiten Obergeschoss befindet sich eine Kapelle mit sehr hohen Rundbogenfenstern, die in Backstein gefasst sind und noch ihre originalen Bleiverglasungen besitzen. Die hochrechteckigen Fensteröffnungen sind größtenteils original, teilweise jedoch verändert. In der Eingangsachse finden sich aufwendig gestaltete, zeittypische Backsteinrahmungen mit Backsteinstürzen. Wie am Villenbau wurden auch hier überwiegend moderne Kunststofffenster eingebaut. Das Satteldach schließt mit Aufschieblingen und einem stufigen Backsteintraufgesims ab.
Im Inneren des Missionshauses hat sich der Kapellenraum weitgehend im Originalzustand erhalten. In der ehemaligen Villa gehören zur historischen Ausstattung das aufwendig gestaltete, holzverkleidete Treppenhaus mit einer hölzernen Kassettendecke, eine Kamin-Sitzecke sowie eine äußerst qualitätvolle zweiflügelige Eingangstür mit einem bleiverglasten Oberlicht. Darüber hinaus sind im Treppenhaus Bleiglasfenster aus der Zeit um 1950/54 erhalten. Auch das ehemalige Wohnzimmer, das Verwaltungszimmer sowie im Obergeschoss das frühere Priorzimmer mit seiner Stuckdecke gehören zum originalen Bestand.
Der gesamte Gebäudekomplex dokumentiert in außergewöhnlich gutem Zustand die Stilrichtungen der Zeit um 1910 und 1940. Die vielfältigen und aufwendigen architektonischen Details sowohl im Außenbau als auch im Inneren verleihen der Anlage eine besondere Bedeutung für die Stadt Mechernich. Für die Ortslage Vussem ist das Ensemble zudem aus wirtschafts- und religionsgeschichtlicher Sicht von erheblicher Relevanz. Insgesamt handelt es sich um ein Objekt, das aufgrund seiner künstlerischen, wissenschaftlichen, architektur-, orts-, wirtschafts-, sozial- und religionsgeschichtlichen Bedeutung unbedingt erhaltenswert ist.

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